Deutscher Freidenker-Verband e.V. – LV Niedersachsen

Angst als Triebkraft, nur wohin treibt sie?

Sonntag, 26. April 2020 von Webredaktion

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ –Tacitus (römischer Historiker)

Angst ist eine Triebkraft, sie wird genutzt um Menschen besser lenken zu können, Angst lähmt, besonders wenn ihr nicht entgegengewirkt, sonder sie noch verstärkt wird. Dieses ist gegenwärtig der Fall und ich konnte in den letzten dreißig Jahren erfahren, wie es um die Angst in diesem Land bestellt ist. In der Bundesrepublik wurde ich mit einem für mich völlig neuen Umgang mit Angst und Ängsten konfrontiert. Ängste wurden und werden sogar potenziert und verbreitet. Relationen völlig verschoben, gar auf dem Kopf gestellt und immer wieder werden neue Säue durchs mediale Dorf getrieben. So wurde der gesunde Menschenverstand vielen Menschen abgewöhnt, die Menschen wurden erzogen Folge zu leisten und es wurde der Glaube in eine selig machende Politik installiert und verfestigt. Politik wurde als etwas über den gesellschaftlichen Verhältnisse stehendes, nicht diesen entspringend und entsprechend, propagiert. So die eigentlichen Machtverhältnisse negierend, wurde die Illusion genährt, dass die gewählten Volksvertreter schon nichts unternehmen werden, was gegen die Interessen ihrer Wähler sei. Und wenn doch, ja dann können bei den nächsten Wahlen ja die Wähler andere Entscheidungen treffen und die einst Gewählten damit strafen, dass sie nicht wieder gewählt werden. Die einzige Strafe welche ein Politiker übrigens zu fürchten hat, egal was er in seinem politischen Amt verbockt.

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ hatte Immanuel Kant einst im Zeitalter der Aufklärung verkündet, heute scheint es nur opportun sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, um nachzudenken was zum Beispiel Politiker vorausgedacht haben und durch die Hofberichterstattung verbreitet wird, allerdings ohne darüber nachzudenken. Kant stellte einst auch fest, dass Freiheit nicht in der Möglichkeit (Wahl) besteht, sondern in der Tat, das ist leider längst Geschichte, heute wird die Freiheit der Wahl gepredigt und hofiert, entweder oder, dafür oder dagegen, gut oder schlecht, ein dazwischen gibt es nicht, sowohl als auch, in manchen Zusammenhängen sogar prägend, wird negiert, entweder Mensch ist Freund und folgt den Vorgaben der politischen Hirten, gelegentlich durch Hofastrologen, oder Wissenschaftler am Hofe untermauert, oder er ist Feind, allein schon wenn er nicht alles schluckt, Fragen stellt, Sinn hinterfragt und ganz gefährlich wird es, wenn die Frage nach dem Nutzen gestellt wird.

So wurde verkündet die Viruspein, Gefahren wurden orakelt und Maßnahmen ergriffen, eine konstruktive wissenschaftliche Diskussion hat es nicht gegeben. Das Volk ist nun gespalten, die einen zittern vor Angst vor dem Virus, welches sie ereilen könnte, die anderen zittern vor Angst, vor den Maßnahmen, welche ergriffen und deren Folgen, wobei deren Einhaltung mittels Androhung von Strafen erzwungen und es gibt noch sehr viele Menschen dazwischen, welche nicht so recht zittern können, sich mit ihren Ängsten auseinandersetzen und nach Erkenntnissen suchen. (more…)

Frieden schaffen ist das Gebot der Stunde!

Mittwoch, 10. Juli 2019 von Webredaktion

Frieden schaffen ist das Gebot der Stunde!

Die Mayors for Peace fordern die Ächtung aller Nuklearwaffen!

Die UNO beschloss am 7.7.2017 den Atomwaffenverbotsvertrag

Auch Deutschland muss diesem Vertrag beitreten

Einladung zu einer Veranstaltung anlässlich des Flaggentages der Mayors for Peace und des Gedenktages für das Manifest von Russell und Einstein am

Freitag, 12. Juli 2019 – 18.00 Uhr

in der Dornse im Altstadtrathaus (Altstadtmarkt), Braunschweig

Das Russlandbild der deutschen Leitmedien: „Lückenhaft, aggressiv und einseitig …“

Montag, 06. Mai 2019 von Webredaktion

Ulrich Teusch (l.) mit R.Butenschön (Initiative ‚Frieden mit Rußland‘)

Die Hannoveraner Initiative ‚Frieden mit Rußland‘ lag mit ihrem Thema vollkommen richtig. Der Saal im Hannoveraner ver.di-Haus war mit gut siebzig BesucherInnen voll, es gab eine lebhafte Diskussion mit einem überzeugenden Referenten.

Ulrich Teusch machte gleich zu Beginn deutlich, daß er das mühselige interne Abarbeiten an den propagandistischen Scheuklappen der Leitmedien vor allem bei ARD und ZDF nicht mehr weiter zu führen gedenkt. „Diesen Kampf haben wir verloren“, so Teusch. Er verwies vor allem auf die Darstellung zahlreicher bewußt lückenhafter, aggressiver und einseitiger Reportagen und Berichte aus den öffentlich-rechtlichen Anstalten im Verhältnis zur Russischen Föderation in seinem Buch „Lückenpresse“ (2016, Westend Verlag / Frankfurt/M.).

Teusch forderte die Anwesenden auf, selber nach Wahrheit zu suchen und sich dabei nicht mehr vor allem auf ARD und ZDF zu stützen. Es existierten viele interessante auch kleinere Informationsquellen und er nannte beispielhaft ‚KenFM‘, ‚Nachdenkseiten‘ und ‚Rubikon‘. Gemessen der Dürftigkeit und Mangelhaftigkeit der herrschenden Medien sei es auch so möglich, hinreichend genaue Darstellungen der Nachrichtenlage zu finden und sich dabei zu vernetzen.

Gerade in seinem neuesten Buch „Der Krieg vor dem Krieg“ (2019, Westend Verlag) wie auch an jenem Abend vom Podium aus wies er anschaulich darauf hin, wie Grenzlinien zwischen Kriegs- und Friedenszuständen immer poröser werden und wie schnell die eigene kritische Sicht auf die herrschende Propagandamaschine deren Protagonisten zu Hetze und allerhand Zensur Anlaß gibt. „Antisemit“, „antiamerikanisch“, „Querfrontler“, „Verschwörungstheoretiker“ seien regelmäßig die Attribute, derer sich diejenigen zu erwehren haben, die das Sakrileg begehen, sich den aggressiven Leitmedien entgegen zu stellen. (more…)

Die Initiative »Frieden mit Russland« lädt ein zu:

Dienstag, 26. März 2019 von Webredaktion

Foto Handzettelauszug

Prof. Dr. Ulrich Teusch: Das Russlandbild der deutschen Leitmedien Bundesverteidigungsministerin Frau von der Leyen (CDU) hat sich im Frühjahr 2018 in ›Bild am Sonntag‹ für einen harten Kurs gegenüber der Russischen Föderation stark gemacht. Mit Sprüchen wie »Präsident Putin schätzt keine Schwäche. Anbiedern oder Nachgiebigkeit macht ihn nicht freundlicher« und »Deshalb ist es wichtig, dass wir aus einer Position der Geschlossenheit und Stärke bereit bleiben zum Dialog mit Moskau.« heizt sie die Stimmung an.

(more…)

Informations- und Diskussionsveranstaltung in Hannover

Donnerstag, 21. Juni 2018 von Webredaktion

Bildschirmfoto 2018-06-16

Meinst Du, die Russen wollen Krieg?

Das Grundgesetz verpflichtet die Bundesregierung zur Wahrung des Friedens: „Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig.“

Das tatsächliche Handeln der NATO, das auch von der Bundesregierung getragen wird, erscheint dagegen wie ein Spiel mit dem Feuer. Kaum ein Tag vergeht, an dem Russland nicht eines politschen Vergehens beschuldigt wird und der russische Präsident Putin nicht als Ausbund des Bösen dämonisiert wird. So zuletzt mit der völlig undurchsichtigen Skripal-Affäre, bei der Russland durch die britische Regierung und die NATO beschuldigt wurde, einen früheren Agenten und dessen Tochter vergiftet zu haben, ohne dass dafür bis heute der Öffentlichkeit ein schlüssiger Beweis vorgelegt worden wäre.

Die Maidan-Ereignisse in Kiew 2013 wurden von der russischen Regierung als illegitimer Machtwechsel hin zu einer vom „Westen“ gestützten, scharf antirussischen Regierung in Kiew verstanden. In der Logik dieser Sichtweise sieht Russland das Referendum auf der Krim zur Loslösung von der Ukraine und den nachfolgenden Eintritt in die Russische Föderation als völkerrechtskonform und defensiv an, während die Regierungen der NATO-Staaten diesen Vorgang gerade als Indiz der russischen Expansionsgelüste sehen.

Das miltärische Eingreifen in Syrien auf der Seite der Assad-Regierung sieht die russische Politik als völkerrechtskonforme Verteidigung der Souveränität Syriens. Dieses Eingreifen Russlands hat in der Tat zu einer Niederlage der vom ‚Westen‘, Saudi-Arabien und den Golf-Monarchien unterstützten, weitgehend islamistischen Aufständischen geführt.

Konsequenterweise sehen die Regierungen des ‚Westens‘ diese Politik Russlands als „destruktiv“ an. (more…)

Aufruf zur Mahnwache – „Nein zum Krieg im Donbass“

Dienstag, 24. April 2018 von Webredaktion

Bildschirmfoto aus dem Handzettel

Am Donnerstag, 26.04.2018, von 15:00 – 18:00Uhr findet am Kröcke in Hannover – Zentrum, eine Mahnwache „Nein zum Krieg im Donbass“ statt.

Auf diese Veranstaltung sei verwiesen, nicht nur weil dieser Krieg etwas aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwunden ist, sondern auch um sich über die Vorgänge in der Ukraine zu informieren und gegen diesen Krieg zu demonstrieren.

Der folgende Text wurde dem Handzettel entnommen:

Im Donbass, im Osten der Ukraine, herrscht nun schon das vierte Jahr Krieg. Er forderte bereits das Leben von mehr als 10.000 Menschen, fast 24.000 wurden verletzt, etwa 2 Millionen waren gezwungen, ihre Wohnungen und Häuser zu verlassen. Hunderte Kinder wurden getötet und verletzt.

Viele hierzulande wissen nichts davon. Der Krieg wird in den herrschenden Medien verschwiegen und wenn ausnahmsweise berichtet wird, dann in einer äußerst einseitigen und zumeist verlogenen Form. (more…)

Zum 200. Geburtstag von Karl Marx

Freitag, 23. März 2018 von Webredaktion

Fotokopie eines E-Mailanhangs

Marx, Karl Heinrich (05.05.1818 Trier – 14.03.1883 London) genialer Wissenschaftler und Revolutionär der Arbeiterklasse, Begründete den Sozialismus als Wissenschaft. Gemeinsam mit Engels schuf er die nach ihm benannte marxistische Philosophie, den dialektischen und historischen Materialismus, begründete er die politische Ökonomie der Arbeiterklasse und den wissenschaftlichen Kommunismus. Seine Philosophie vollbrachte im philosophischen und sozialtheoretischen Denken der Menschheit eine Revolution. …“*

Und da sich in diesem Jahr der Geburtstag von Marx zum 200 mal jährt, sollte es nicht nur Anlass sein, seiner zu gedenken, sondern auch sein Werk zu würdigen, in dem sich mit diesen kritisch auseinandergesetzt wird. Der aktuelle Freidenker greift das Thema auf und am 28. April 2018 veranstaltet der Deutsche Freidenker-Verband eine öffentliche wissenschaftliche Konferenz zu Marx in Hannover. Individualität und Gesellschaft – Menschenbild und Persönlichkeitstheorie im Marxismus, ist die Veranstaltung überschrieben.

Das Programm ist der nebenstehenden Fotokopie zu entnehmen.

*Philosophen Lexikon, Dietz Verlag Berlin 1987, 4. Auflage, Seite 628

Gibt es keine sinnvolle Beschäftigung?

Donnerstag, 27. Oktober 2016 von Webredaktion
bildschirmfoto-2016-10-27-15-25braunschweigerzeitung

Bildschirmfoto 2016-10-27 15:25Uhr

Zu „Grusel-Clowns“ (Braunschweiger Zeitung vom 26. Oktober 2016):

Die Grusel-Clowns sind die Fortsetzung der Fernseh-Monster-Kriminalität in der Realität. Ehrlich gesagt, es ist sehr erschreckend, was besonders auch Kindern und Jugendlichen auf den Bildschirmen an Brutalität, Horror und Unterwelt vorgesetzt wird. Das fördert regelrecht den Nachahmungstrieb. – Auch wird Halloween durch alle Medien hochgeputscht und hochgejubelt, so dass für uns die ernsten Folgen wahrlich keine Überraschung sind.

Ich vermisse die Gegenaufklärung. Besonders  schweigsam verhalten sich die Kirchen und die Schulen. Und warum ist nicht vom Reformationstag die Rede, deren Feier zum 500. Jahrestag der Reformation schon in Vorbereitung sein soll? – Ich habe weder in Zeitungen noch in den anderen Medien gelesen noch Stellungnahmen gehört, in denen vor solchem Halloween-Missbrauch gewarnt wird. Dieser Missbrauch durch die Grusel-Clowns ist unter Strafe zu stellen. Hier ist auch der Staat gefordert.

Auch müssen die Schulen und alle Einrichtungen, die an der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen beteiligt sind, diese Menschen über die Gefahren aufklären, die von solchem Unfug ausgehen. Dabei sollten auch Fragen von Moral und Ethik angesprochen werden. Nur so können die Jugendlichen erkennen, wovon sie besser die Finger lassen sollten.

Wie ist das hier mit dem Vermummungsverbot? Darüber sollten die Politiker gründlich nachdenken. So ein Grusel-Clown ist ja schließlich um ein vielfaches gefährlicher als eine Frau, die einen Schleier trägt.

Gibt es keine sinnvolle Beschäftigung für unsere Kinder und Jugendlichen? Müssen die Jugendlichen solchen gefährlichen Unfug treiben? Auch darüber sollte mit den Kindern und Jugendlichen gesprochen werden. Welches Angebot hält unsere Gesellschaft für diese Menschen parat?

Mit menschlichen Grüßen

Kurt Wolfgang Ringel

Über Glücksheuchelei  und über  wirkliches  Glück!

Mittwoch, 07. September 2016 von Webredaktion
Bildschirmfoto-2016-09-07-13-11

Bildschirmfoto 2016-09-07 13:11Uhr

Pressinformation/Leserbrief

Was uns so  bewegt – nichts bewegt uns so viel wie das Glück

Über Glücksheuchelei  und über  wirkliches  Glück

Zu „Selbst ernannte Ministerin für Glück“ (Braunschweiger Zeitung vom 03. September 2016)

»„GEBT MIR Generäle, die Glück haben!“ rief Napoleon einmal aus. Das erinnert mich an Goethes Faust, der sich beklagte: „Wie sich Verdienst und Glück verketten,/ Das fällt den Toren niemals ein“. Glück kann ein großer Wohltäter sein. Es kann auch die Ursache von Katastrophen sein. Ich erinnere mich undeutlich an einen dieser übelwollenden griechischen Götter – oder war es eine Göttin? -, der seine menschlichen Opfer dadurch zugrunde richtete, dass er sie glücklich machte. Glück geht mit Hybris einher. Und Hybris* führt zur Nemesis.**«[1]

  Aber Vorsicht damit,  Kriterien aufzustellen,  und danach einen Weltglücksbericht aufzustellen. Damit ist es nicht genug. Der Gipfel des Unfugs ist, wenn gewisse Kreise eine Länderklassifikation, eine Einstufung von Ländern nach der Menge des angeblich in den Ländern vorhandenen Glück Glücks-Kriterien festlegen. Eine solche Einordnung ist genauso unrealistisch wie sinnlos.

    Beihilfe zum Glück kann hilfreich sein. Wir können unsere Mitmenschen zu Aufmerksamkeit verhelfen, kann er persönliche Glücksmomente erleben. Dazu gehören vor allem, die Aufmerksamkeit im Leben und das selbstständige Denken. Aber wir müssen auf der Hut sein, denn oft wird uns der Weg zum Glück nur vorgeheuchelt.

    Warum das Glücksempfinden von sehr gern missbraucht wird, liegt an den real existierenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Immer zu Zeiten, in denen es der Gesellschaft bzw. einem großen Teil von ihnen schlecht geht, wird zu unlauteren Mitteln gegriffen, um den Menschen vorzugaukeln, dass für sie  doch alles Glück der Welt  vorhanden wäre. Diese Gefühlsheuchelei und Glückssuggestion wird als ideologisches Rauschgift, wird als Droge eingesetzt, um miserable gesellschaftliche Verhältnisse zu verschleiern, um Wahrheiten vor Menschen zu verbergen. Es geht in Wahrheit nicht um menschliches Glück; sondern um das Glück als Droge. Darin liegt die Gefährlichkeit dieses Treibens. Und viele Menschen durchschauen dieses Spiel, welches mit ihnen getrieben wird?

(more…)

Sind Menschenwürde und Humanität geschäftsschädigend und lebensqualitätsmindernd?

Freitag, 16. Januar 2015 von Webredaktion

»Tja, wo lassen wir denn nun die Alten? Auf den Mond schießen geht nicht. Schade, da würden sie keinen stören. Und man würde nicht ständig daran erinnert werden, dass man selbst auch alt wird. Dass wir mal Kinder waren haben wir auch längst vergessen. Kindergärten und Spielplätze wollen wir ja auch nicht in unserer Nachbarschaft. Neulich wurde im Parlament stundenlang über die Sterbehilfe debattiert. Vielleicht wird man auch bald darüber debattieren, wie lange ein Mensch maximal leben sollte. Wann ist es genug – nach 80 oder 90 Jahren? Der Satz „Alte, gebt den Löffel ab!“ ist auch schon öffentlich gefallen. In drei bis vier Generationen ist man vielleicht da angekommen, dass man darüber debattiert, wie man es den Alten schmackhaft machen kann, freiwillig mit ärztlicher Hilfe aus dem Leben zu scheiden. Viele würden das sicher dankbar annehmen. Hiermit möchte ich mich also entschuldigen, dass ich bereits 82 Jahre bin und möglicherweise auch mal ein Seniorenheim in Anspruch nehmen muss oder dem Staat zur Last fallen könnte. Ich werde versuchen, so unauffällig wie möglich zu altern!« [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das was heute so abgeht in Braunschweig ist nur ein Beispiel der kapitalistischen Entwicklung in Deutschland. Das Verwerfliche daran ist, das wir schon so weit gekommen sind, dass sich Bürger in ihrer Lebensqualität gestört und belästigt fühlen, nur weil Menschen um sie herum leben, die nun mal alt oder krank sind. Es ist doch der Lebenslauf, das die Menschen von Geburt an unterschiedliche Lebensstufen durchlaufen. Auch das höhere Lebensalter gehört dazu. Worum geht es hier denn eigentlich? Eine Leserin schreibt folgendes:

»Gegen das geplante Bauprojekt der BBG im Heidberg gehen unglaublicherweise während einer Sondersitzung mehr als 150 Anwohner der näheren Umgebung auf die Barrikaden, lassen ihre Emotionen hochkochen, sammeln Unterschriften gegen die Menschlichkeit. Ich schäme mich für so viel Ignoranz dem Leben und Sterben gegenüber. Ein Senioren- und Pflegeheim mit 84 Plätzen für kranke und ältere Menschen war der Grund für schlaflose Nächte. Da vergleicht der Bezirksbürgermeister das evtl. Verkehrsaufkommen durch ein Seniorenheim mit einem Hotelbetrieb (schön wäre es) und maßt sich an, darauf hinzuweisen, dass aus seiner Sicht die Lage für ein solches Objekt, abseits öffentlicher Verkehrsmittel und irgendwelcher Supermärkte, alles andere als optimal sei. Jüngere Menschen sollen in den Stadtteil kommen….. « [2]

Die Bürger, die gegen das Seniorenheim protestierten, sind sehr kurzsichtig. Es ist nicht allein das Alter, was ein Leben in einem Pflegeheim erforderlich machen kann. Es haben manche Menschen auch Krankheiten, so dass eine Betreuung rund um die Uhr erforderlich ist. Und wie schnell können Personen, die kein Seniorenheim in ihrer Nähe haben wollen, gezwungen sein, in einem Heim zu leben. Ich erinnere nur an die Unfälle, die tagtäglich passieren. – Wieviel Arroganz, Überheblichkeit und Egoismus wird aus dem Verhalten der Bürger sichtbar.

Und das Non-Plus-Ultra solcher Verhaltensweisen ist bei manchem Bürger noch in schlechter Erinnerung. Es war die Zeit des Faschismus in Europa. Während dieser Zeit wurde, was der Nazi-Jargon „lebensunwertes Leben“ nannte, vernichtet. Sind dies, was wir hier erleben, erneute Anfänge auf dem Wege zur Ausgrenzung und Kriminalisierung von Menschengruppen? – Mich erinnert ein solches Verhalten der Bürger von BS-Heidberg an eine schlimmere Form von Udo Jürgens „Ehrenwertes Haus“.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es gehen neue Geister um in der Welt. Und der Geist in Braunschweig ist nur einer von ihnen. Es sind keine flotten Geister. Nein, eher sind engstirnige, egoistische Geister. Wo kommen diese Gespenster denn nur her? Der Schlaf der Vernunft ruft diese Ungeheuer hervor. Und die Politiker des kapitalistischen Systems tragen auch mit die Verantwortung dafür. Sie waren und sind dabei, im Auftrage aller Profitsüchtigen, die sozialen Grundlagen abzubauen bzw. zu zerstören.
Das Schlimme ist nun, das es Bürger und Bürgergruppen gibt, die in die Fußstapfen dieser Politiker treten. Der Sozialabbau ist auch zu einem Bürgersport geworden.
Was hier in den unverschämten Bürgerinitiativen ihren Ausdruck findet, ist die Forderung nach Sozialabbau. Und das durch eine verwöhnte Einwohnerkaste, die sich in ihrer Selbstgefälligkeit gestört fühlt. Es ist ein völlig überzogenes Handeln von Bürgern, denen es scheinbar noch zu gut geht. Wäre es nicht so, dann hätten diese Bürger verständnisvoller gehandelt.

Wo aber bleibt der Hinweis auf das Grundgesetz? Und auch auf die Deklaration der Universellen Menschenrechte? Steht dort nicht, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind. Deshalb muss ich fragen, warum das Grundgesetz missachtet wird. Nichts anders als eine Gesetzesverletzung ist das Verhalten der Bürger. Und die Stadtverwaltung hat nichts in der Hose, um energisch dagegen anzugehen. Ist ein solches Verhalten Ausdruck von christlicher Moral und Ethik? Wie war das gleich mit den zehn Geboten?

Die Gründe für ein solches menschenfeindliches liegen bei den Staat und ihren Politikern! Der Staat lebt doch den Menschen Arroganz und Egoismus per Gesetz und Handeln tagtäglich vor. Ich sehe die Hartz-VI-Empfänger und all die Menschen, bei denen das Geld weder zum Sterben geschweige denn zum Leben reicht. Obendrein werden diese Menschen verhöhnt und kriminalisiert. Diese wirtschaftsorientierte Staatspolitik lässt doch jede ehrliche Sorge und Fürsorge für menschliche Belange außen vor!

Liebe Leserinnen, liebe Leser!
»Die lange vorherrschende Tendenz, Krankheit, Alter und den Tod zu verdrängen, ist auch hier wieder deutlich gemacht worden. Da wird dann zu Weihnachten gespendet für die Armen dieser Welt, nur die Behinderten vor der eigenen Haustür sollten wohl doch besser im Ernstfall auf die grüne Wiese, um den Anblick nicht als tägliche Belästigung ertragen zu müssen…..
Das einzige was sie möchten, ist ein Leben in Würde und Akzeptanz. Die BBG hat schon mit dem in der Tuckermannstraße gebauten Seniorenheim, in dem übrigens nicht nur ältere Bewohner leben, ein wunderbares, innovatives Zuhause für kranke und ältere Menschen geschaffen. Leider gibt es viel zu wenige Häuser dieser Art. Es wäre ein Fortschritt für die Stadt Braunschweig, wenn es mehr Investoren für altersgerechtes Wohnen in Verbindung mit einem Pflegeheim geben würde. Während in anderen Großstädten dieses Problem lange erkannt wurde, hinkt Braunschweig hinterher. Nicht nur Eigentumswohnungen für Reiche sind da gefragt, auch Menschen mit einem geringeren Einkommen haben bei einer schweren Erkrankung oder im Alter das Recht auf einen bezahlbaren Wohnraum.« [3]

Und es ist zwingend notwendig, ernsthaft darüber nachzudenken. Wie schnell kann es passieren, dass Menschen selbst in eine Situation kommen, und auf eine solche Wohnung angewiesen sind.
QUELLEN:
[1] Entschuldigung, dass ich 82 bin; Zu „Vier neue Wohnblocks im Heid­berg“ vom 20. November über die Pläne an der Greifswaldstraße; Von Nicola Trostorff, Braunschweig, Braunschweiger Zeitung vom 23. Dezember 2014
[2] Ich schäme mich für so viel Ignoranz/ Zu „Vier neue Wohnblocks im Heid­berg“ vom 20. November über die Pläne an der Greifswaldstraße
Von Ilona Nowak-Zimmermann, Braunschweig, Braunschweiger Zeitung vom 23. Dezember 2014
[3] Ebenda

Ich bitte alle, denkt mal drüber nach!
Mit menschlichen Grüßen

Kurt Wolfgang Ringel

 

© Deutscher Freidenker-Verband e.V., Landesverband Niedersachsen, Sachsen-Anhalt; Design: Vlad (aka Perun; Anpassungen: DFV-Webmaster