Wir müssen uns nur darauf besinnen, was es eigentlich heißt, moralisch zu handeln. Heißt moralisch handeln, immer das zu tun, was Gott von uns verlangt? Heißt es, immer das zu tun, was unser Gewissen, unsere Eltern, das Gesetzbuch oder gar irgendein selbsternannter »Führer« von uns verlangen? Gewiß nicht. Moralisch handeln bedeutet doch zunächst einmal, daß man bereit ist, neben seinen eigenen Interessen auch die Interessen anderer zu respektieren. Daß wir also bei allem, was wir tun, das Wohl und Wehe all derer berücksichtigen, die von unseren Handlungen betroffen sind.

(* Allen Politikern und Managern in das Stammbuch geschrieben! Aus: „Das gekreuzigte Tier“! *)

Neue Zeitrechnung nach Corona und die tierischen Krisen!

 Es gibt Zeiten, da machen wir Menschen uns Gedanken, wie das so ist um uns herum und  wie  das weiter gehen soll mit uns und mit all den Problemen der Gesellschaft. Die erste Frage ist, was soll sich an den Zeiten  ändern. Und brauchen wir eine neue Zeit mit einer neuen Zeitrechnung? Ich bin sehr dafür. Betrachten wir die Zeitrechnung nach Corona:

  • Die Zeitenrechnung nach Corona Null

Die Corona-Zeit  hat einen entscheidenden  Vorteil: Eine neue, welteinheitliche Zeitrechnung  wird dank Corona möglich. Diese neue  Zeitrechnung  ist nicht auf der Basis  von Religionen installiert, sondern sie  beruht auf weltlicher Grundlage.

Das Corona-Jahr  2020 ist das Jahr Null der neuen  Zeiteinteilung. Somit ist dann das Jahr 2021 nicht das entsprechende Jahr 2021 n. Chr. (nach Christus), sondern  defakto  das zukünftige Jahr  01 n. C. (Jahr eins nach Corona!).

Der Vorteil besteht darin, dass Corona weltweit auftritt. Dank Corona ist damit die neue Zeitrechnung auf der gesamten Erde ohne Ausnahme einheitlich gültig. Es ist die erste welteinheitliche Zeitenrechnung.

  • Die Technik  selbst versagt vor Corona

Folgendes Beispiel  beweist diese These:

Die digitalen Eiferer müssen am Ende ihres Lateins sein. Ansonsten hätten sie schon längst einen digital gesteuerten Mundschutz erfunden. Dieser wäre automatisch steuerbar bei Bedarf und auf Knopfdruck hin. Je nach staatlicher Vorschrift  kann blitzschnell der verlangte Schutz-Zustand hergestellt werden (Grundzustände: Auf und Zu!).

Nicht zu vergessen sind dabei die unterschiedlichen, wechselnden Reklameeinspielungen  auf dem Mundschutz per Video!  Auch mit Corona-Hinweisen!

Bei dem großen weltweiten Bedarf  wäre eine Produktion dieses digitalen  Mundschutzes ein Millionen- ja sogar ein Milliarden-Geschäft.

  • Das Corona-Jahr als  grundlegende Verhaltenswende der Menschheit?

Eine Krise ist ein Höhepunkt und auch  ein Punkt der Entscheidung.  So wird die Pandemie  als welthistorische Wende gefeiert. Und die Corona-Krise zu nutzen, ist eine  Möglichkeit, die längst fälligen gesellschaftlichen Veränderungen anzustoßen. Aber das Anstoßen allein reicht nicht, um Veränderungen zu erreichen. Wir müssen sie erzwingen, wenn wir Veränderungen haben wollen.

Ein Neuanfang der Menschheit wird aber falsch angedacht. Anders lassen  sich die folgenden Worte nicht  interpretieren: „Von der aktuellen  Krise erwächst die Hoffnung, dass wir unsere Lebensweise gründlich überdenken und spiri­tueller werden. Die Hoffnung be­steht, dass eine gesunde Meta­morphose bei mehr und mehr Menschen stattfindet. Schlimm wäre es, wenn wir nach dieser Krise zu schnell wieder in das alte System zurückkehren, zu unseren früheren Sünden.“ („Leben in Braunschweig.“ Heft Juli/August 2020;  Seite 19).

Das Falsche  in diesem  Denken  besteht darin,  dass allein der Mensch sich verändern soll.

„Aber das menschliche Wesen Ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Ver­hältnisse” (Karl Marx). Ohne aber die vorherrschenden gesellschaftlichen  Verhältnisse   grundlegend  umzustoßen und umzuwälzen werden die dringend notwendigen Veränderungen nicht stattfinden. Keine Gesellschaft kann zu einem System zurückkehren, von dem es sich niemals verabschiedet hat. Und von dem es sich auch in Zukunft nicht verabschieden will.

Schuld an den gesellschaftlichen Krisen trägt eindeutig der real-existierende Kapitalismus mit seiner Macht ohne Moral! Deshalb  kann ein  Neuanfang der Menschheit nur  gelingen, wenn  sich die Arbeits- und Produktionsformen  der Gesellschaft  grundlegend ändern.  Das heißt nichts anderes, als die  bestehende, nur auf  Profit orientierte  Wirtschaft  muss beseitigt werden zugunsten einer bedarfsgerechten Produktion.  Unter diesem Niveau ist  kein Neuanfang erfolgreich.  Und alle anderen Vorstellungen  sind Betrug und  Selbstbetrug!

  • Und was haben die Tiere mit  Corona zu tun?

Dazu müssen wir die  Geschichte der Tierwelt betrachten. Hilfreich soll dazu der unten angefügte Artikel „Das gekreuzigte Tier“ sein. In diesem angefügten Artikel werden einige der Qualen und Leiden der Tiere  beschrieben, die ihnen durch Menschen zugefügt wurden. Damit aber nicht genug. Die Menschen  haben aus der Geschichte nichts gelernt und quälen die Tiere gewissenlos weiter.

Corona ist eine Menschenseuche, um die viel Wirbel gemacht wird. Jahrelang waren fast nur Tiere, die manche Menschen abwertend als Vieh bezeichnen, von Seuchen betroffen. Was gab und gibt es da nicht alles: Die Schweinepest, die Rinderseuche, die Geflügelpest und und  und. Die Tiere haben es schlechter als die Menschen. Sie wurden gekeult und verbrannt. Küken wurden und werden bei lebendigen  Leibe wie Abfall geschreddert und verbrannt. Für die Küken ist es eine Schande, Hähnchen zu sein. Männlichen Geschlechts also.

Und wer kann all diese Tiere nicht verstehen, wenn sie sich für die Zeit nach Corona ebenfalls eine  neue, eine humane Zeit wünschen, so ganz ohne Qualen und Schmerzen durch uns Menschen!

  • Auch die Menschheit braucht dringend andere, menschlichere Zeiten

Aber  nicht nur die Tiere sondern die Menschen wünschen sich eine veränderte Welt. Denn so ganz unbedarft ist die Menschheit nicht. Denken wir nur an die  Verstümmlungen, die  Kindern, Mädchen wie Jungen,  aus dubiosen religiösen  Ansichten angetan werden. Und denken wir an den Missbrauch von Kindern.  Und an die Gewalt gegen Frauen. Warum wären sonst die Frauenhäuser erforderlich?

Dann sind da noch die weltweiten imperialen Raubkriege, die unendliches Leid über die Menschheit bringen.  Auch Deutschland ist aktiv an ihnen beteiligt. Das größte  Übel in Deutschland ist die US-amerikanische Kriegsbasis Ramstein. Sie ist die größte Schande für  unser Vaterland und muss sofort aufgekündigt werden!!!

Und wie ist das mit dem wichtigen Problem Frieden.  Gab es nicht Zeiten, da war  noch vom Frieden zumindest in den Politikergesprächen  die Rede. Menschen gingen auf die Straße, um  für eine Welt ohne Krieg zu kämpfen.  Wird aber heute das Wort „Friede“ in den Mund genommen, ist es sehr oft nur Heuchelei – Schreien  solche Zustände nicht dringend nach Veränderung?

  • Und was kommt wirklich?

Nutzen wir aber die Corona-Zeit nicht für eine  gesellschaftliche Kehrtwende, so wird eine weitere Chance vertan zur positiven Veränderung der menschlichen Gesellschaft. Und solche

Unterlassungssünden werden der Menschheit sehr teuer zu stehen kommen.

Es bleibt  der Menschheit keine andere Wahl, als den Kapitalismus, also die Profitsucht endgültig abzuschaffen, wenn die Menschheit weiterhin existieren will!! Habgier ist das schlimmste Übel  der Menschen.  Erich Fromm hat das in seiner Schrift „Haben oder Sein/Die seelischen Grundlagen einer neuen  Gesellschaft“ erläutert.*

Es ändert sich an den  Gesinnungen nichts, wenn den alten Geistern nur neue Namen gegeben werden.  Die Menschen müssen gar nicht  zu ihren alten Sünden vor Corona zurückkehren. Sie haben sich nie von diesen Sünden getrennt. Und um  die alten Sünden zu erhalten, wurde das  Corona-Virus  längst von Wirtschaft und Regierung  zu einem politischen Virus mutiert.

Anstatt eines neuen Zeitalters erhalten  wir die  alten  urhässlichen Zeiten zurück. Denn die Corona-Zeit zeigt, dass die Menschheit nichts aus ihrer Geschichte gelernt hat.  Die  Menschen sind keinen einzigen Deut klüger durch die Corona-Krise geworden. Und  das zeigt sich in der Unfähigkeit der Menschen, zu lernen und zu verstehen. Die Menschen gehen lieber durch ihre eigene Dummheit zum Teufel, anstatt aus dem Schaden klug zu werden.

Der Egoismus des Menschen darf nicht zum Tyrannen werden.

Die Zukunft braucht uns Menschen nicht; aber wir Menschen brauchen  eine Zukunft!

Kurt Wolfgang Ringel

  • „Haben oder Sein/ Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft“

Erich Fromm

Dtv Sachbuch Nr. 1490

Deutscher Taschenbuchverlag

Neunte Auflage Mai 1981

ISBN 3-423-01410.3

Peter Singer •Edgar Dahl

Das gekreuzigte Tier

Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer schrieb einmal »Man möchte wahrlich sagen: Die Menschen sind die Teufel dieser Erde und die Tiere die geplagten Seelen.« In der Tat: So weit wir die Geschichte des Abendlandes zurückverfolgen können, sehen wir Tiere unter der Knute menschlicher Tyrannei leiden. Ob unter der Herrschaft der Griechen, der Römer oder der Christen, zu allen Zeiten hat man ihre Rechte Füßen  getreten.

In der Blüte des Hellenismus rechtfertigte man das Martern und Töten von Tieren mit einer Idee des berühmten Denkers Aristoteles. Er betrachtete die Natur als eine Hierarchie, in der Pflanzen zum Wohle von Tieren und Tiere zum Wohle des Menschen bestimmt seien. Daß man auf die Interessender Tiere keine Rücksicht nimmt und ganz nach Belieben mit ihnen verfährt, war danach nicht nur richtig, sondern entsprach sogar der Ordnung der Natur.

Die Römer übernahmen diese bequeme Idee und weideten sich während ihrer circensischen Spiele sogar an den Qualen der Tiere: Bei der Einweihung des Kolosseums durch  Titus mußten 5000 Tiere ihr Leben lassen. Unter Nero ließ man 400 Tiger mit  Stieren und Elefanten kämpfen. Caligula befahl, daß  Bären gegen Stiere kämpfen sollten, die man vorher mit rotglühenden Eisen und durch Pfeile mit brennendem Pech wild gemacht hatte. Unter Trajan dauerten die Spiele einmal 123 Tage: Löwen, Tiger, Elefanten, Rhinozerosse, Nilpferde, Giraffen, Stiere, Hirsche, ja sogar Krokodile und Schlangen wurden n die blutige Arena geschickt, nur um einem grauenhaften Spektakel geopfert zu werden.1

Unter dem Einfluß des Christentums hat sich das Los der Tiere nicht gerade verbessert. Schmeichelten sich die Christen doch, die einzigen Geschöpfe zu sein, die Gott nach seinem Bilde schuf. Im Alten Testament erklärte ihnen der vermeintliche Schöpfer des Himmels und der Erden sogar: »Furcht und Schrecken vor euch sei über alle Tiere auf Erden und über alle Vögel unter dem Himmel, über alles, was auf dem Erdboden wimmelt, und über alle Fische im Meer; in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, das sei  eure Speise.«2

Es ist sicher nicht weiter verwunderlich, daß Menschen, die meinen, sich als »Krone der Schöpfung« begreifen zu dürfen, der übrigen Kreatur nur mit Hohn und Spott begegnen. So lästerte beispielsweise schon der Apostel Paulus: »Sorgt sich Gott etwa um die Ochsen?« Selbstverständlich nicht, beant­wortete er die rhetorische Frage: »Er redet überall nur um unsertwillen.«3 Und damit scheint er sogar recht zu haben. Denn Jesus hat sich, will man den Evangelien hier Glauben schenken, nur für die Erlösung der sündig gewordenen Menschen, nicht aber für die der sündlosen Tiere ans Kreuz schla­gen lassen. Noch verhängnisvoller für das Schicksal der Tiere war jedoch, daß Jesus selbst angeblich Teufel in eine Herde von zweitausend Schweinen fahren ließ und sie dazu trieb, sich ins Meer zu stürzen.Der heiliggesprochene Kirchenvater Augustin nahm dieses Ereignis als Beweis dafür, daß der Mensch dem Tier nichts schulde. Er schrieb: »Christus selbst zeigt, daß es höchster Aberglaube ist, sich des Tötens von Tie­ren und des Zerstörens von Pflanzen zu enthalten, denn da er urteilte, daß es keine gemeinsamen Rechte zwischen uns und den Tieren und den Bäumen gibt, sandte er die Teufel in eine Schweineherde und belegte den Baum, an dem er keine Frucht fand, mit einem Fluch. Gewiß aber hatten weder die Schweine noch der Baum gesündigt.«5

Anders als bei Buddha machte Jesu »allumfassende Liebe«  also vor den Tieren halt. Und so ist es denn auch nur bezeichnend, daß, als das Christentum mit seiner Idee von der Heiligkeit des Lebens in Rom einzog, zwar die Gladiatorenkämpfe  aus dem Kolosseum verschwanden, die Blutbäder an Tieren an Tieren aber weitergingen. Als »heilig« galt den Christen eben nur das menschliche Leben.

Im Mittelalter sollte sich am Leiden der Tiere nichts ändern. Der zumindest für die katholische Kirche maßgebliche Kirchenlehrer, Thomas von Aquin, unterstrich mit der ganzen Kraft seiner Autorität, daß Tiere keinerlei Rechte hätten und – vom christlichen Standpunkt aus – nichts Falsches  daran sei, Tiere zu martern. Er gab lediglich zu bedenken, daß  zu große Grausamkeit gegen Tiere womöglich auch die Brutalität  gegen Menschen fördern könnte.

Der unheilvolle Einfluß des Thomas von Aquin war derart mächtig, daß sich beispielsweise noch im letzten Jahrhundert Papst Pius IX. weigerte, die Gründung einer Gesellschaft zur Verhinderung von Grausamkeiten gegen Tiere zu gestatten. Er meinte, es sei eine Gotteslästerung, wollte man gegen daß Abschlachten von Tieren aufbegehren. Dies würde unterstellen, daß Menschen gegenüber Tieren irgendwelche Pflichten hätten.6

So grotesk es auch anmutet, aber der mittelalterliche Klerus ging in seiner Verblendung sogar so weit, daß er Tiere der weltlichen Gerichtsbarkeit überantwortete. So wurde 1394 in Amiens ein Schwein gehenkt, weil es eine Hostie gefressen hatte. In Basel wurde 1474 ein Hahn zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt, weil er sich angeblich der Hexerei schuldig gemacht hatte. Im Frankreich des 15. Jahrhundert machte man einen Schwarm von Schmetterlingen für eine Mißernte verantwortlich; das Gerichtsverfahren zog sich wegen Nichterscheinens der Angeklagten – trotz Aufrufs an  der Kirchentür – über zwei Jahrhunderte hin! Den vielleicht lächerlichsten Prozeß in der Geschichte der heiligen römischen Kirche aber mußte eine Eselin über sich ergehen lassen:  Mit ihr hatte sich ein gewisser Jacques Ferron eingelassen, Nachdem man den Sodomiten am Galgen aufgeknüpft hatte, ermittelte man wegen etwaiger Mittäterschaft auch gegen seine langohrige Geliebte. Die Priorin des örtlichen Klosters und einige brave Bürger der Stadt Vanvres stellten ihr jedoch ein Leumundszeugnis aus, in dem es hieß, »daß besagte Eselin ihnen seit vier Jahren bekannt sei und sich stets, daheim, und unterwegs, als tugendhaft erwiesen und nie bei irgendjemanden Anstoß erregt habe«. Aufgrund dieser Zeugenerklärung  kam das Gericht schließlich zu dem Urteil, daß die Eselin sich offenbar nicht freiwillig dem Jacques Ferron hingegeben habe, sondern von ihm »vergewaltigt« worden sei.7

Angesichts dieser himmelschreienden Ignoranz möchte man meinen, daß die Lage der Tiere eigentlich nur hätte  besser werden können. Doch es sollte leider noch schlimmer kom­men. Der christliche Denker Rene Descartes, der »Vater der neuzeitlichen Philosophie«, erklärte im 17. Jahrhundert, daß Tiere »seelenlose Automaten« seien, bloße Maschinen, die, natürlich einer Uhr, zwar zweckmäßig funktionieren mögen, über zu keinerlei Gefühlen fähig seien. Wenn Tiere sich unter glühenden Eisen oder den Stichen eines Messers verzweifelt winden und schreien, bedeutet dies laut Descartes nicht, daß  leiden: Seiner Ansicht nach kennen Tiere weder Freude noch Schmerz.

Nicole Malebranche, ein Zeitgenosse Descartes hielt es sogar aus rein theologischen Gründen für notwendig zu leug­nen, daß Tiere leiden können. Denn wie, so fragte er, sollte man sonst erklären, daß ein gerechter Gott unschuldige Tiere leiden läßt – schließlich sei es ja Adam gewesen und nicht irgendein Hund, der in den berühmten Apfel gebissen habe.

Decscartes‘ Ansichten machten daher schnell Schule. Vor allem Wissenschaftler griffen seine Ideen mit großer Begeiste­rung auf, gaben sie ihnen doch einen Freibrief für qualvolle Experimente mit Tieren. So wurde denn zu jener Zeit auch die Vivisektion, das Aufschlitzen bei lebendigem Leibe, schnell zu einer Mode bei Physiologen. Der folgende Augenzeugenbe­richt über einige dieser Experimentatoren, die im späten 17. Jahrhundert am Jansenistischen Seminar von Port Royal arbeiteten, macht die Bequemlichkeit von Descartes‘ Theorie  deutlich: »Sie verabreichten mit völliger Gleichgültigkeit Hunden Schläge und machten sich über diejenigen lustig, die die Kreaturen bedauerten, als könnten sie Schmerz empfinden. Sie sagten, die Tiere seien wie Uhren, die Schreie, die sie aus­stießen, wenn sie geschlagen wurden, seien nur das Geräusch einer kleinen Saite, die berührt worden sei, der gesamte Körper jedoch sei ohne Gefühl. Sie nagelten arme Tiere mit allen vieren auf Brettern fest, um sie bei lebendigem Leibe aufzuschlitzen und ihren Blutkreislauf zu sehen, der ein bevorzugtes Gesprächsthema war.«8

Diese haarsträubenden Versuche brachten die Wissenschaftler der damaligen  Zeit aber schon bald in ein Dilemma. Denn je mehr Tiere sie unter ihr Seziermesser nahmen, desto offenkundiger wurde die bemerkenswerte Ähnlichkeit zwischen Tier und Mensch. Das wachsende Wissen um die feinen Sinne der vermeintlich »niederen« Kreaturen ließ sie sie und mehr daran zweifeln, daß Tiere nicht leiden könnten. Und so wurde ihr Gewissen schließlich – wider Willen – aus dem »kartesianischen Schlummer« erweckt.

Der Agnostiker Voltaire, ein Gegner aller Dogmen, sah dieses Dilemma bereits kommen, als er schrieb: »Es gibt Barbaren, die diesen Hund ergreifen, der dem Menschen an Freundschaft und Treue so sehr überlegen ist, ihn auf einen Tisch, nageln und bei lebendigem Leibe zerschneiden, um die mesaraischen Venen zu zeigen! Du entdeckst in ihnen die gleichen Gefühlsorgane wie in dir selbst! Antworte mir, Mechanist, hat die Natur all die Quellen des Gefühls in diesem Tier eingerichtet, damit es nicht fühlen soll?«9

Daß nun ein allmähliches Umdenken stattfand, ist wohl in erster Linie der Aufklärung zu verdanken, Denkern wie Voltaire, Diderot und David Hume, die allen kirchlichen Satzungen öffentlich den Krieg erklärten. Indem sie die Praxis den Christentums der des Hinduismus und des Buddhismus gegenüberstellten, gaben sie Anlaß nicht nur zu tiefer Beschämung, sondern auch zur Besinnung: Sie appellierten an das menschliche Mitgefühl und drangen darauf, das Wohlwollen endlich auch auf andere Geschöpfe auszudehnen.

Obwohl sich in der Folge der Aufklärung nun auch viele Wissenschaftler, Philosophen und Schriftsteller wie zum Beispiel Charles Darwin, Thomas H. Huxley, Jeremy Bentham, Arthur Schopenhauer, John Stuart Mill, Leo Tolstoi und Victor Hugo für das Mitleid mit Tieren einsetzten, hat sich an der tatsächlichen Lage der Tiere doch bis heute wenig gebessert. Sie werden nach wie vor wie »Maschinen« behandelt: wie Maschinen, die Futter in Fleisch verwandeln!

Der französische Schriftsteller Emile Zola sagte einmal, daß die Sache der Tiere für ihn höher stehe als die Sorge, sich lächerlich zu machen. Daß man sich mit dem Kampf für die »Befreiung der Tiere« womöglich lächerlich macht, scheint in der Tat einer der Hauptgründe dafür zu sein, daß die meisten Menschen sich ausschweigen. Sie glauben immer noch, daß das Wohl von Tieren etwas sei, worum sich vielleicht alte Damen in Tennisschuhen sorgen mögen, nicht aber Leute, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Und sie haben Mühe, auf  die Frage, ob Tiere Rechte haben könnten, irgendeine auch nur halbwegs plausible Antwort zu finden.

Dabei ist die Antwort darauf im Grunde ganz einfach. Wir müssen uns nur darauf besinnen, was es eigentlich heißt, moralisch zu handeln. Heißt moralisch handeln, immer das zu tun, was Gott von uns verlangt? Heißt es, immer das zu tun, was unser Gewissen, unsere Eltern, das Gesetzbuch oder gar irgendein selbsternannter »Führer« von uns verlangen? Gewiß nicht. Moralisch handeln bedeutet doch zunächst einmal, daß man bereit ist, neben seinen eigenen Interessen auch die Inter­essen anderer zu respektieren. Daß wir also bei allem, was wir tun, das Wohl und Wehe all derer berücksichtigen, die von unseren Handlungen betroffen sind.

Wenn aber in der Moral nur eines zählt, nämlich die Interessen anderer zu achten, dann ist es unerheblich, wessen Interessen es sind – die von Männern oder von Frauen, von Schwarzen oder von Weißen, von Menschen oder von Tieren. Denn Inter­essen sind Interessen und verdienen die gleiche Berücksichti­gung, egal wessen Interessen es im Einzelfall sind! Wer hier die Interessen des anderen Geschlechts, einer anderen Rasse  oder einer anderen Art mißachtet, macht sich entweder des  Sexismus, des Rassismus oder aber des Speziesismus schuldig!

Diese von der Moral verlangte Gleichbehandlung beruht  nicht etwa auf der Annahme, daß die Geschlechter, Rassen und Arten tatsächlich gleich sind, sondern auf dem Faktum, das  sie im wesentlichen gleiche Interessen haben, darauf, daß wie alle gleichermaßen den Wunsch haben, ein selbstbestimm­tes Leben zu führen und möglichst wenig zu leiden.10

Der englische Moralphilosoph Jeremy Bentham sprach diesen so einfachen wie selbstverständlichen Gedanken bereits vor gut zweihundert Jahren aus, als er sagte: »Der Tag mag kommen, an dem der Rest der belebten Schöpfung jene Rechte erwerben wird, die ihm nur von der Hand der Tyrannen vorenthalten werden konnten. Die Franzosen haben bereits entdeckt, daß die Schwärze der Haut kein Grund ist, einen Menschen hilflos der Laune eines Peinigers auszuliefern. Vielleicht wird eines Tages erkannt werden, daß die Anzahl der Beine, die Behaarung der Haut oder die Endung des Kreuzbeins ebenso wenig Gründe dafür sind, ein empfindendes Wesen diesem Schicksal zu überlassen.« 11

Um sich den so wichtigen Punkt, daß es in der Moral in erster Linie um die gleiche Berücksichtigung von Interessen geht , noch einmal klarzumachen, können wir uns etwa folgenden Fall denken: Angenommen, morgen würden Wesen von einem fremden Stern auf unserer Erde landen, Wesen von seltsamer Gestalt und ungewöhnlichem Aussehen, aber immerhin doch Wesen, mit denen wir uns verständigen können und von denen wir erfahren, daß sie – genau wie wir – Wünsche und Ängste haben. Wäre es erlaubt, sie grundlos zu quälen? Wir glauben, die meisten würden uns zustimmen, wenn wir sagen: Nein! Wenn wir aber zugeben, daß es falsch wäre, sie zu quälen, müssen wir wohl oder übel auch zugeben, daß unsere Achtung vor den Interessen anderer nichts mit ihrer Zugehörigkeit zu unserer  Art zu tun hat. Und so müßten wir denn konsequenterweise auch bereit sein, den Interessen von Tieren das gleiche Gewicht beizumessen wie den Geschöpfen von einem fremden Stern.

Jetzt wird vielleicht jemand fragen: Was heißt es überhaupt, Interessen zu haben? Und: Welche Wesen besitzen denn eigentlich Interessen? Die Antwort darauf ist wiederum denkbar einfach: Interessen zu haben bedeutet, Bewußtsein zu besitzen und zu Freude und Leid fähig zu sein. Um einem Wesen sinnvollerweise Interessen zuschreiben zu können, muß es daher zumindest leidensfähig sein. Es wäre Unsinn, wenn man sagte, es liege nicht »im Interesse« eines Steins, daß das Kind auf der Straße ihm einen Tritt gibt. Ein Stein  hat keine Interessen, weil er nicht leiden kann. Nichts, das wir ihm antun können, könnte für sein Wohlergehen irgendeinen Unterschied ausmachen. Ein Hund dagegen hat ein Interesse daran, nicht getreten zu werden, weil er dabei leiden würde.

Wenn ein Wesen leidet, kann es keine moralische Rechtfertigung dafür geben, daß man sich weigert, dieses Leiden zu berücksichtigen. Ganz gleich, welcher Art dieses Wesen angehört, das Prinzip der Gleichheit fordert, daß sein Leben ebenso viel gilt wie ähnliches Leiden irgendeines anderen Wesens. Wenn ein Wesen dagegen unfähig ist, zu leiden oder

Freude oder Glück zu empfinden, dann gibt es auch nichts zu berücksichtigen. Damit ist die Empfindungsfähigkeit also die einzig vertretbare Grenzlinie für unsere Anteilnahme an den Interessen anderer.

Unsere Auffassung, daß wir – wenn wir moralisch handeln wollen – auch die Interessen von Tieren respektieren müssen, ist naturgemäß einer Reihe von Einwänden ausgesetzt. Wir wollen daher zumindest einigen dieser Einwände kurz nachge­hen. Der stärkste Einwand ist sicherlich der, den schon Des­cartes vorbrachte: Tiere können gar nicht leiden! Was könnte man Descartes erwidern? Nun, wir könnten Descartes vorwerfen, daß seine Ansicht absurd ist und es sich doch wohl von selbst versteht, daß Tiere leiden. Aber das wird mit Sicherheit nicht genügen. Denn »Vorwürfe« ersetzen keine Argumente, und in der Moralphilosophie gibt es nichts, das sich »von selbst versteht«! Schlimmer noch ist, daß wir Descartes gegenüber zugeben müssen, daß wir es nicht mit Sicherheit wissen, ob Tiere tatsächlich leiden. Denn wir können den Schmerz eines anderen nicht fühlen. Schmerz ist nun einmal Zustand des Bewußtseins und somit nicht direkt beob­achtbar. Aber was hier für Tiere gilt, gilt selbstverständlich auch für Menschen – und damit auch für Descartes selbst. Auch von ihm, so hätte er zugeben müssen, wissen wir nicht mit Sicherheit, ob er leiden konnte.

Warum, so könnten wir Descartes – wie auch uns selbst – fragen, nehmen wir von anderen Menschen, etwa unseren Kindern, trotzdem an, daß sie leiden können? Sicherlich deshalb, weil sie, wenn sie sich beispielsweise geschnitten haben, das gleiche Ver­halten zeigen wie wir, wenn wir uns geschnitten haben. Wenn wir von unseren Kindern glauben, daß sie leiden, müssen wir konsequenterweise auch von Tieren annehmen, daß sie leiden; schließlich zeigen sie bei Verletzungen dasselbe Verhalten wie jene. Es stimmt zwar, daß Tiere nicht in Worten sagen können, daß sie Schmerz empfinden, aber das konnten unsere Kinder, als sie klein waren, auch nicht. Haben wir daraus etwa den Schluss gezogen, daß sie nicht leiden und daß wir sie daher nach Belieben mißhandeln dürften? Sicher nicht.

Es  gibt noch einen zweiten guten Grund dafür anzunehmen, daß  auch Tiere leiden, nämlich die Tatsache, daß zumindest alle Wirbeltiere das gleiche Nervensystem besitzen wie wir Die Teile des Gehirns, die für das Schmerzgefühl verantwortlich sind, gehören in jedem Fall zu unserem gemeinsamen »biologischen Erbe«. Daß Mensch und Tier bei Verletzungen dasselbe Verhalten zeigen und sich durch dasselbe Nerven System auszeichnen, ist sicherlich noch kein zwingender Beweis für die Leidensfähigkeit der Tiere, aber immerhin ein Argument, das es vernünftig und gerechtfertigt erscheinen läßt, Tiere nicht mutwillig zu verletzen.

Ein zweiter Einwand gegen unsere Auffassung könnte etwa folgendermaßen lauten: Es ist nun einmal ein Naturgesetz, daß der Stärkere den Schwächeren unterdrückt! Das soll offenbar heißen, daß es nur natürlich ist, wenn wir auf das Leiden den der Tiere pfeifen, daß es gewissermaßen zu unserer Natur gehört, den Interessen von Tieren nicht das gleiche Gewicht beizumessen wie denen von Menschen. Es mag stimmen, daß wir »von Natur aus« Speziesisten sind und nur Angehörigen unserer Art Rechte einräumen. Aber daraus, daß das so ist, folgt doch nicht, daß es auch so sein soll! Wenn, sagen wir einmal, Vergewaltigungen natürlich sind, insofern sie in der Natur – sowohl bei Tieren wie bei Menschen – vorkommen, folgt daraus ja auch nicht, daß es ganz in Ordnung ist, wenn Männer Frauen vergewaltigen.

Nach allem, was wir wissen, sind Menschen von Natur aus nicht nur Speziesisten, sondern schlimmer noch: Nepotisten. Sie kümmern sich in erster Linie nur um ihre Verwandten. Unsere gesamte Geschichte liefert wohl den schlagendsten Beweis für die Bevorzugung von Verwandten: Ob wir nun den Aufstieg und den Untergang ägyptischer Dynastien studieren, vom Glanz des Hauses der Medici, vom Ruhm der Habsburger hören oder die Memoiren einer Prinzessin aus dem Hause Bourbon lesen – überall wurden das Zepter und die Macht an die Nachfahren des »eigenen Geschlechts« übergeben. Überall galt den Königshäusern von Gottes Gnaden die Blutsverwandtschaft als heilig, überall sind Familieninteressen gewahrt worden, und nicht selten haben sich blutige Kämpfe entsponnen, wenn der letzte Sproß einer langen Ahnenreihe, ohne einen Stammhalter zu hinterlassen, das Zeitliche segnete. Noch heute sprechen wir von der Blutsverwandtschaft mit bedeutungsvollen Mienen und Gebärden, noch heute trö­sten wir uns beim Verschenken eines kostbaren Gegenstands damit, daß er ja »in der Familie« bleibt, und noch heute lassen wir all unsere Beziehungen und all unseren Einfluß spielen, um unseren Kindern und Familienangehörigen eine gute Stel­lung zu besorgen – was gestern die Tudors waren, ist heute der  Denver-Clan«. Aber, so muß man wiederum einwenden, daraus, daß Menschen natürlicherweise Vetternwirtschaft betreiben nach dem Motto »Blut ist dicker als Wasser« handeln, folgt doch nicht, daß es richtig wäre, nur am Schicksal seiner Blutsverwandten teilzunehmen und die Interessen Nichtver­wandter für nichtig zu erklären. Was »natürlich« ist, ist noch nicht automatisch gut, und was »widernatürlich« ist, ist noch nicht automatisch schlechtl12

Es gibt einen dritten, ähnlich gelagerten Einwand, der lau­tet: Warum sollten wir Tiere nicht töten, Tiere töten einander ja auch! Auf diesen Einwand, mit dem sich vor allem Vegeta­rier herumzuschlagen haben, hat William Paley bereits 1785 geantwortet, als er schrieb, daß Menschen leben können, ohne zu töten, daß aber bestimmte Tiere keine andere Wahl haben, als zu töten, wenn sie überleben wollen. Vielleicht ist dies eine nicht ganz überzeugende Widerlegung; doch es ist wichtig, daß man erkennt, daß, selbst wenn es Tiere gibt, die mit vegetari­sche Ernährung leben könnten, aber manchmal zu Nahrungs­zwecken töten, dies keine Unterstützung für die Behauptung wäre, daß es moralisch vertretbar ist, wenn wir dasselbe tun. Es ist schon merkwürdig, wie Menschen, die sich normalerweise als so hoch über den Tieren stehend betrachten, auf ein­mal, wenn es ihre Gaumenfreuden betrifft, ein Argument benutzen, das im Grunde bedeutet, wir sollten uns in unserer Moral nach den Tieren richten!

Ein vierter Einwand schließlich besagt, daß Tiere zwar leiden mögen, aber dennoch keine Rechte verdienen, weil sie ja keinen Gerechtigkeitssinn haben. Letzteres mag zwar zutreffen, aber wir sollten uns sicher genauer überlegen, was wir damit behaup­ten. Denn Säuglinge kennen auch kein Gerechtigkeitsgefühl. sollten sie deshalb vielleicht wie Tiere behandelt werden, das heißt, für Tafelfreuden gemästet oder als Versuchsobjekt für die Wirkung eines neuen Shampoos mißbraucht werden?13

Anmerkungen             

1 W. E. H. Lecky History of European Morals from Augustus to Charle­magne. London 1896

2 1 Mose 9, 2 f

3 1Kor 9,9f

4 Mk 5,1-13

5 Zitiert nach J. Passmore Man’s Responsibility for Nature. New York 1974, S. 111

6 Vgl. E. S. Turner All Heaaen in a Rage. London 1964, S. 163

7 Vgl. K. Deschner Das Kreuz mit der Kirche. 14. Aufl., München 1989, S. 317; N. Moia Für die Tiere. Luxemburg 1991

8 N. Fontaine Memoires pour serair a l’Histoire de Port Royal. Köln 1738, S. 52 f

9 Voltaire Philosophisches Wörterbuch (1764) Frankfurt/Main 1985

10 Vgl. P. Singer Befreiung der Tiere (1975); München 1982; ders. Prakti­sche Ethik (1979): Stuttgart 1984; ders. (Hg.) Verteidigt die Tiere (1985). Wien 1986

11 J. Bentham An Introduction to the, Principles of Morals and Legisla­tion. London 1789

12 Vgl. E. Dahl Im Anfang war der Egoismus. Düsseldorf 1991, insbeson­dere das Kapitel »Natur – Ein Orakel der Moral!?«

13 Zu weiteren Einwänden s. P. Singer Befreiung …, a. a. 0., insbeson­dere das Kapitel »Speziesismus heute«

Quelle:

Die Lehre des Unheils/ Fundamentalkritik am Christentum

Herausgeber: Edgar Dahl

Carlsen Verlag GmbH Hamburg 1993

ISBN 3-551-85012-7

Seite 280 bis 289