Deutsch-russisches VerhältnisFriedensbewegung

Friedensbewegung zwischen NATO-Mantra, Äquidistanz und Abgrenzung

Es häufen sich bundesweit und international Veröffentlichungen zum Thema ‚Friedensbewegung‘ – auch der Freidenkerverband widmete sein neuestes Heft diesem Thema. Kein Wunder, denn die rasende Russophobie mit ihrer Kriegsgeilheit stößt jeden mit der Nase auf die latende Kriegsgefahr als dem Hauptproblem der Zeit.

Andererseits: die Degeneration der herrschenden Politik mit jeder Menge Denk- und Sprechverboten, das reihenweise Einknicken vormals exponierter Vertreter vor allem der gesellschaftlichen Linken zugunsten eines widerlichen Oppportunismus kann ja nicht bedeuten, den Kopf in den Sand zu stecken. Zumal, es existieren ja auch sehr hoffnungsvolle Faktoren, denn der ‚freie Wertewesten‘ (USA, EU, NATO) als Hauptkriegsbrandstifter offenbart jede Menge innerer Zerrissenheit und die Seite des Friedens (Russland, China u.a.) wird vom warmen Wind des geopolitischen Südens angetrieben.

Vor allem sei hier auf einen ausführlich ausgearbeiteten Text von Doris Pumphrey im aktuellen Freidenker 2-24hingewiesen, der unter obigem Titel die weltanschaulichen Problemlagen von Teilen der bisherigen Friedensbewegung beschreibt und damit eine überzeugende Erklärung von deren politischer Degeneration anzubieten in der Lage ist. Es mag das folgende längere Zitat aus diesem Text ausreichen, um zum Nachlesen anzuregen:

(…) Diese Verurteilung Russlands wurde zum neuen Geßlerhut, vor dem sich die Mehrheit aus der Friedensbewegung, linke Organisationen und bekannte Persönlichkeiten brav verbeugten, weil sie meinten damit ihre „Glaubwürdigkeit“ zu wahren.

Sie sollten endlich folgende Fragen beantworten:

  • Wie kann das Eingreifen Russlands am 24. Februar 2022 ein Angriffskrieg gewesen sein, wenn der Krieg laut NATO-Generalsekretär Stoltenberg bereits 2014 begonnen hatte?
  • Welche Alternative blieb Putin, nachdem alle seine Verhandlungsangebote ignoriert wurden?
  • Zusehen, wie die Kiewer Armee mit ihren Neonazi-Bataillonen den Donbass und die Krim überfällt, Massaker an ethnischen Russen verübt, sie hetzt und vertreibt?
  • Zusehen, wie Sewastopol von der US-Marine besetzt und die Ukraine zum NATO-Stützpunkt mit Atomwaffen ausgebaut wird?
  • Hätte Russland vor der sich ständig zuspitzenden existenziellen Bedrohung kapitulieren sollen? Ist es das, was Europa sicherer gemacht hätte?

Ist es wirklich das, was Friedensbewegte bevorzugt hätten? (…)

Und Doris Pumphrey läßt den international renommierten US-Politologen John Mearsheimer in einer Stellungnahme vom Mai diesen Jahres darauf antworten:

Ich glaube nicht, dass er andere Optionen hatte. Ich glaube, dass Putin fest entschlossen war, eine Verhandlungslösung für das Problem zu finden. (…) Er war dem Minsker Abkommen zutiefst verpflichtet, denn sein Ziel war es, den Konflikt im Donbass zu beenden, damit er nicht einmarschieren musste,“ sagt John J. Mearsheimer, bekannter US-Politikwissenschaftler auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen und Professor an der University of Chicago.

Jenen Aspekt, den D. Pumphrey in ihrem Text nur streift, nämlich die anhaltend unselige Rolle des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in diesem Zusammenhang, thematisieren andere Autoren wie z.B. A. Fikentscher / A. Neumann unter „Was ist los mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht?“ und nennen eine Menge Material, welches genug Anlaß gibt, daran zu zweifeln, daß das BSW tatsächlich eine gedeihliche Hoffnung ausgerechnet für die Friedensbewegung sein soll.

Es scheint beim Freidenker-Verband eine positive Richtung weltanschaulicher Klärung in Sachen ‚Krieg und Frieden‘ Platz zu greifen. Gerne wollen wir als Landesvorstand Niedersachsen an der Verbreitung der Freidenker-Veröffentlichungen daran mitwirken und gerne stehen wir selber für einen Dialog zu unseren Veröffentlichungen zur Verfügung.

Gerne möchten wir allen unseren Lesern eine Mitgliedschaft im Freidenker-Verband anbieten, damit auch auf lokaler Ebene mehr Meinungsaustausch und eventuell auch praktisch Bewegung für den Frieden stattfinden kann.

Zur Kontaktaufnahme bieten wir allen Interessenten unsere email-Adresse unter  dfv-niedersachsen@freidenker.org an.

Weitere Info-Quellen hier.