Ringels Leserbriefe

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Gibt es keine sinnvolle Beschäftigung? (27.10.2016)

Zu „Grusel-Clowns“ (Braunschweiger Zeitung vom 26. Oktober 2016):

Die Grusel-Clowns sind die Fortsetzung der Fernseh-Monster-Kriminalität in der Realität. Ehrlich gesagt, es ist sehr erschreckend, was besonders auch Kindern und Jugendlichen auf den Bildschirmen an Brutalität, Horror und Unterwelt vorgesetzt wird. Das fördert regelrecht den Nachahmungstrieb. – Auch wird Halloween durch alle Medien hochgeputscht und hochgejubelt, so dass für uns die ernsten Folgen wahrlich keine Überraschung sind.

Ich vermisse die Gegenaufklärung. Besonders  schweigsam verhalten sich die Kirchen und die Schulen. Und warum ist nicht vom Reformationstag die Rede, deren Feier zum 500. Jahrestag der Reformation schon in Vorbereitung sein soll? – Ich habe weder in Zeitungen noch in den anderen Medien gelesen noch Stellungnahmen gehört, in denen vor solchem Halloween-Missbrauch gewarnt wird. Dieser Missbrauch durch die Grusel-Clowns ist unter Strafe zu stellen. Hier ist auch der Staat gefordert.

Auch müssen die Schulen und alle Einrichtungen, die an der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen beteiligt sind, diese Menschen über die Gefahren aufklären, die von solchem Unfug ausgehen. Dabei sollten auch Fragen von Moral und Ethik angesprochen werden. Nur so können die Jugendlichen erkennen, wovon sie besser die Finger lassen sollten.

Wie ist das hier mit dem Vermummungsverbot? Darüber sollten die Politiker gründlich nachdenken. So ein Grusel-Clown ist ja schließlich um ein vielfaches gefährlicher als eine Frau, die einen Schleier trägt.

Gibt es keine sinnvolle Beschäftigung für unsere Kinder und Jugendlichen? Müssen die Jugendlichen solchen gefährlichen Unfug treiben? Auch darüber sollte mit den Kindern und Jugendlichen gesprochen werden. Welches Angebot hält unsere Gesellschaft für diese Menschen parat?

Mit menschlichen Grüßen

Kurt Wolfgang Ringel

Über Glücksheuchelei und über wirkliches Glück! (07.09.2016)

Zu „Selbst ernannte Ministerin für Glück“ (Braunschweiger Zeitung vom 03. September 2016)

»„GEBT MIR Generäle, die Glück haben!“ rief Napoleon einmal aus. Das erinnert mich an Goethes Faust, der sich beklagte: „Wie sich Verdienst und Glück verketten,/ Das fällt den Toren niemals ein“. Glück kann ein großer Wohltäter sein. Es kann auch die Ursache von Katastrophen sein. Ich erinnere mich undeutlich an einen dieser übelwollenden griechischen Götter – oder war es eine Göttin? -, der seine menschlichen Opfer dadurch zugrunde richtete, dass er sie glücklich machte. Glück geht mit Hybris einher. Und Hybris* führt zur Nemesis.**«[1]

  Aber Vorsicht damit,  Kriterien aufzustellen,  und danach einen Weltglücksbericht aufzustellen. Damit ist es nicht genug. Der Gipfel des Unfugs ist, wenn gewisse Kreise eine Länderklassifikation, eine Einstufung von Ländern nach der Menge des angeblich in den Ländern vorhandenen Glück Glücks-Kriterien festlegen. Eine solche Einordnung ist genauso unrealistisch wie sinnlos.

    Beihilfe zum Glück kann hilfreich sein. Wir können unsere Mitmenschen zu Aufmerksamkeit verhelfen, kann er persönliche Glücksmomente erleben. Dazu gehören vor allem, die Aufmerksamkeit im Leben und das selbstständige Denken. Aber wir müssen auf der Hut sein, denn oft wird uns der Weg zum Glück nur vorgeheuchelt.

    Warum das Glücksempfinden von sehr gern missbraucht wird, liegt an den real existierenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Immer zu Zeiten, in denen es der Gesellschaft bzw. einem großen Teil von ihnen schlecht geht, wird zu unlauteren Mitteln gegriffen, um den Menschen vorzugaukeln, dass für sie  doch alles Glück der Welt  vorhanden wäre. Diese Gefühlsheuchelei und Glückssuggestion wird als ideologisches Rauschgift, wird als Droge eingesetzt, um miserable gesellschaftliche Verhältnisse zu verschleiern, um Wahrheiten vor Menschen zu verbergen. Es geht in Wahrheit nicht um menschliches Glück; sondern um das Glück als Droge. Darin liegt die Gefährlichkeit dieses Treibens. Und viele Menschen durchschauen dieses Spiel, welches mit ihnen getrieben wird?

Besonders diffus ist der gehobene Blödsinn „22 gute Gründe für das große Glück“. Der genannte Blödsinn verärgert die Leser nicht nur; er macht auch niemanden glücklich. Jeder, der das Pamphlet liest wird sofort merken, dass dies nicht das Geringste mit Glück zu tun hat.

Sowas können nur Leute schreiben, die in eigenem Safte schmoren und jede Verbindung zur Realität verloren haben. Die Punkte sind allesamt an den Haaren herbeigezogen. Dagegen sträubt sich der gesunde Menschenverstand von selbst, ohne jede Aufforderung. Diese Punktekonstruktion hat absolut nichts damit tun, was der Mensch Glück nennt.

    Aber was ist nun Glück wirklich?- Fragen wir doch das Lexikon:

»Glück, im objektiven Sinn eine Lebenslage, im subjektiven ein Gemütszustand. Im ersteren Sinne bezeichnet es den Besitz  eines an sich wünschenswertes Gutes (Gesundheit, Reichtum usw.), dessen Erlangung weder gewiss, noch auch nur ( für den Betreffenden) besonders wahrscheinlich war; im letzteren Sinne das aus jenem Besitz entspringende  Lustgefühl, dann überhaupt den Zustand vollkommener innerer Befriedigung ( Glückseligkeit, siehe daselbst).

Vergleiche Eudämonismus und Bentham, über die Personifikation des Glücks siehe Fortuna.«[2]

Auch der Philosoph Karl Raimund Popper ist da anderer Meinung. Er hält auch nichts von all der Glücksheuchelei und auch nichts von Glückssuggestion. Doch lesen Sie selbst:

»Es gibt den klassischen positiven Utilitarismus und einen negativen, der hier zu erläutern ist. Das Ziel des klassischen Utilitarismus ist „Das größte Glück der größten Zahl“. Zu Recht warnt aber der kritische Rationalist KARL RAI­MUND POPPER (1902-1994) in seiner Schrift Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (Bd. 2, S. 291 f.) davor, zu versuchen, andere Menschen aufgrund per­sönlicher emotionaler Glücksempfindungen glücklich machen zu wollen:

„Aber von allen politischen Idealen ist der Wunsch, die Menschen glücklich zu machen, vielleicht der gefährlichste. Ein solcher Wunsch führt unvermeidlich zu dem Versuch, anderen Menschen unsere Ordnung ‚höherer‘ Werte aufzu­zwingen, um ihnen so die Einsicht in Dinge zu verschaffen, die uns für ihr Glück am wichtigsten zu sein scheinen; also gleichsam zu dem Versuch, ihre Seelen zu retten. Dieser Wunsch führt zu Utopismus und Romantizismus. Wir alle ha­ben das sichere Gefühl, dass jedermann in der schönen, der vollkommenen Gemeinschaft unserer Träume glücklich sein würde. Und zweifellos wäre eine Welt, in der wir uns lieben, der Himmel auf Erden. Aber wie schon früher ausgeführt – der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, produziert stets die Hölle. Dieser Versuch führt zu religiösen Kriegen und zur Rettung der Seelen durch die Inquisition. Und beruht meiner Ansicht nach auf einem völligen Miss­verständnis unserer sittlichen Pflichten. Es ist unsere Pflicht, denen zu helfen, die unsere Hilfe brauchen; aber es kann nicht unsere Pflicht sein, andere glück­lich zu machen, denn dies hängt nicht von uns ab und bedeutet außerdem nur zu oft einen Einbruch in die private Sphäre jener Menschen, gegen die wir so freundliche Absichten hegen.“

Da es nach diesen Erkenntnissen nicht möglich erscheint, einen universellen Glücksbegriff so zu definieren, dass das „größte Glück der größten Zahl“ als ethisches Ziel weiter verfolgt werden kann, stellt der Wissenschaftstheoretiker POPPER die utilitaristische Idee – frei nach KARL MARX (1818-1883) – vom „Kopf auf die Füße“ und entwickelt aus dem positiven einen negativen Utili­tarismus. Hier ist nicht mehr das größte Glück der größten Zahl das Ziel, sondern deren geringstes Leid; Leid-Verminderung statt Glück-Maximierung.

Geht man davon aus, dass für eine rational begründbare Ethik die Glückselig­keit oberstes Ziel ist, aber fest steht, wie POPPER nachweisen konnte, dass die Glücksempfindungen individuell verschieden sind, kann nur in einem negati­ven Utilitarismus eine Lösung gesucht werden., Man kommt einer „Glückseligkeit“ immer näher, je weniger man unglücklich ist.« [3]

Über die Meinung von Karl Raimund Popper sollten besonders alle die nachdenken, die der weltfremden Gefühlsheuchelei erlegen sind. Es ist  nicht in jeder Kiste, auf der Glück steht, auch das Glück drin. Meist ist der Inhalt unecht.

PS. zu meinen Gedanken: Die folgenden Begriffe erleiden in den bürgerlichen Medien analoge Qualen wie das Glück. Da wären z. B. der Sex, die Bikiniform, die Wunderheilung und die zwischenmenschlichen Beziehungen (Liebe). Auch hier sollen Drogen helfen. Und diese Drogen heißen Viagra, Potenzmittel, Diät, dubiose Lebenselixiere und der Liebestrank. Das einzige, was dabei rasch abnimmt, ist der Inhalt Ihres Geldbeutels.

    Neu ist: Wer zwölf Semester Arztserien geschaut hat und dies überzeugend nachweisen kann, erhält den Quacksalber-Bachelor. – Lesen Sie auch das Buch „Benimm Dich erfolgreich!“

Und nun aber ran!


 QUELLEN UND HINWEISE

[1] Uri Avnery, geboren 1923 in Deutschland, israelischer Journalist, Schriftsteller und Friedensaktivist, war in drei Legislaturperioden für insgesamt zehn Jahre Parlamentsabgeordneter in der Knesset. Sein Buch „Israel im arabischen Frühling – Betrachtungen zur gegenwärtigen politischen Situation im Orient“ ist in der NRhZ Nr. 446 rezensiert. (NRhZ = Neue Rheinische Zeitung als Flyer)

* Hybris

Hybris, ursprünglich Begriff des attischen Rechts als Anwendung körperlicher Gewalt, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und schimpflicher Angriff überhaupt, ähnlich im alexandrinischen Recht. Im übertragenen Sinne Hochmut und Anmaßung der Menschen gegenüber den Göttern.

Aus: Antike in Stichworten, G. Löwe/ H. A. Stoll, Koehler & Armelang Leipzig 1967, S. 143

**Nemesis

Nemesis, in der griechischen Mythologie das als Göttin personifizierte Zuteilen der Strafe für Schuld und Anmaßung, bei Homer nur Begriff, bei Hesiod Tochter der Nacht; in den Kypria ist sie durch Zeus sogar Mutter der Helene. Die älteste Kultstätte der Nemesis dürfte Smyrna ge­wesen sein, dann Rhamnus in Attika, dessen Kultbild von Agorakritos stammte. Ihre Sym­bole sind Elle und Zügel, da sie das gerechte Maß wahrt. Häufige Darstellungen auf Mün­zen und Gemmen; das rhamnische Kultbild des Agorakritos in Fragmenten erhalten (Athen, Nationalmuseum).

Aus:  Antike in Stichworten, G. Löwe/ H. A. Stoll, Koehler & Armelang Leipzig 1967; S. 215

[2] Meyers Lexikon (1926), Siebente Auflage, Bibliographisches Institut Leipzig, Band IV;  Spalte 324

[3] Stichwort : Negativer Utilitarismus, der, in: Lexikon des freien Denkens,

ISBN 978-943624-32-8;

Herausgeber: Dr. Dr. Jan Bretschneider (*1938) / Prof. Dr. Hans-Günter Eschke (1930 – 2007); Lose Blattsammlung in Ordner.

utilitär = auf den Nutzen bezüglich

Utilitarismus =  Nützlichkeitslehre, Nützlichkeitsstandpunkt

 ( aus Duden/Deutsche Rechtschreibung)

Mit  echt glücklichen Gefühlen

Kurt Wolfgang Ringel

Sind Menschenwürde und Humanität geschäftsschädigend und lebensqualitätsmindernd? (16.01.2015)

»Tja, wo lassen wir denn nun die Alten? Auf den Mond schießen geht nicht. Schade, da würden sie keinen stören. Und man würde nicht ständig daran erinnert werden, dass man selbst auch alt wird. Dass wir mal Kinder waren haben wir auch längst vergessen. Kindergärten und Spielplätze wollen wir ja auch nicht in unserer Nachbarschaft. Neulich wurde im Parlament stundenlang über die Sterbehilfe debattiert. Vielleicht wird man auch bald darüber debattieren, wie lange ein Mensch maximal leben sollte. Wann ist es genug – nach 80 oder 90 Jahren? Der Satz „Alte, gebt den Löffel ab!“ ist auch schon öffentlich gefallen. In drei bis vier Generationen ist man vielleicht da angekommen, dass man darüber debattiert, wie man es den Alten schmackhaft machen kann, freiwillig mit ärztlicher Hilfe aus dem Leben zu scheiden. Viele würden das sicher dankbar annehmen. Hiermit möchte ich mich also entschuldigen, dass ich bereits 82 Jahre bin und möglicherweise auch mal ein Seniorenheim in Anspruch nehmen muss oder dem Staat zur Last fallen könnte. Ich werde versuchen, so unauffällig wie möglich zu altern!« [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das was heute so abgeht in Braunschweig ist nur ein Beispiel der kapitalistischen Entwicklung in Deutschland. Das Verwerfliche daran ist, das wir schon so weit gekommen sind, dass sich Bürger in ihrer Lebensqualität gestört und belästigt fühlen, nur weil Menschen um sie herum leben, die nun mal alt oder krank sind. Es ist doch der Lebenslauf, das die Menschen von Geburt an unterschiedliche Lebensstufen durchlaufen. Auch das höhere Lebensalter gehört dazu. Worum geht es hier denn eigentlich? Eine Leserin schreibt folgendes:

»Gegen das geplante Bauprojekt der BBG im Heidberg gehen unglaublicherweise während einer Sondersitzung mehr als 150 Anwohner der näheren Umgebung auf die Barrikaden, lassen ihre Emotionen hochkochen, sammeln Unterschriften gegen die Menschlichkeit. Ich schäme mich für so viel Ignoranz dem Leben und Sterben gegenüber. Ein Senioren- und Pflegeheim mit 84 Plätzen für kranke und ältere Menschen war der Grund für schlaflose Nächte. Da vergleicht der Bezirksbürgermeister das evtl. Verkehrsaufkommen durch ein Seniorenheim mit einem Hotelbetrieb (schön wäre es) und maßt sich an, darauf hinzuweisen, dass aus seiner Sicht die Lage für ein solches Objekt, abseits öffentlicher Verkehrsmittel und irgendwelcher Supermärkte, alles andere als optimal sei. Jüngere Menschen sollen in den Stadtteil kommen….. « [2]

Die Bürger, die gegen das Seniorenheim protestierten, sind sehr kurzsichtig. Es ist nicht allein das Alter, was ein Leben in einem Pflegeheim erforderlich machen kann. Es haben manche Menschen auch Krankheiten, so dass eine Betreuung rund um die Uhr erforderlich ist. Und wie schnell können Personen, die kein Seniorenheim in ihrer Nähe haben wollen, gezwungen sein, in einem Heim zu leben. Ich erinnere nur an die Unfälle, die tagtäglich passieren. – Wieviel Arroganz, Überheblichkeit und Egoismus wird aus dem Verhalten der Bürger sichtbar.

Und das Non-Plus-Ultra solcher Verhaltensweisen ist bei manchem Bürger noch in schlechter Erinnerung. Es war die Zeit des Faschismus in Europa. Während dieser Zeit wurde, was der Nazi-Jargon „lebensunwertes Leben“ nannte, vernichtet. Sind dies, was wir hier erleben, erneute Anfänge auf dem Wege zur Ausgrenzung und Kriminalisierung von Menschengruppen? – Mich erinnert ein solches Verhalten der Bürger von BS-Heidberg an eine schlimmere Form von Udo Jürgens „Ehrenwertes Haus“.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es gehen neue Geister um in der Welt. Und der Geist in Braunschweig ist nur einer von ihnen. Es sind keine flotten Geister. Nein, eher sind engstirnige, egoistische Geister. Wo kommen diese Gespenster denn nur her? Der Schlaf der Vernunft ruft diese Ungeheuer hervor. Und die Politiker des kapitalistischen Systems tragen auch mit die Verantwortung dafür. Sie waren und sind dabei, im Auftrage aller Profitsüchtigen, die sozialen Grundlagen abzubauen bzw. zu zerstören.
Das Schlimme ist nun, das es Bürger und Bürgergruppen gibt, die in die Fußstapfen dieser Politiker treten. Der Sozialabbau ist auch zu einem Bürgersport geworden.
Was hier in den unverschämten Bürgerinitiativen ihren Ausdruck findet, ist die Forderung nach Sozialabbau. Und das durch eine verwöhnte Einwohnerkaste, die sich in ihrer Selbstgefälligkeit gestört fühlt. Es ist ein völlig überzogenes Handeln von Bürgern, denen es scheinbar noch zu gut geht. Wäre es nicht so, dann hätten diese Bürger verständnisvoller gehandelt.

Wo aber bleibt der Hinweis auf das Grundgesetz? Und auch auf die Deklaration der Universellen Menschenrechte? Steht dort nicht, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind. Deshalb muss ich fragen, warum das Grundgesetz missachtet wird. Nichts anders als eine Gesetzesverletzung ist das Verhalten der Bürger. Und die Stadtverwaltung hat nichts in der Hose, um energisch dagegen anzugehen. Ist ein solches Verhalten Ausdruck von christlicher Moral und Ethik? Wie war das gleich mit den zehn Geboten?

Die Gründe für ein solches menschenfeindliches liegen bei den Staat und ihren Politikern! Der Staat lebt doch den Menschen Arroganz und Egoismus per Gesetz und Handeln tagtäglich vor. Ich sehe die Hartz-VI-Empfänger und all die Menschen, bei denen das Geld weder zum Sterben geschweige denn zum Leben reicht. Obendrein werden diese Menschen verhöhnt und kriminalisiert. Diese wirtschaftsorientierte Staatspolitik lässt doch jede ehrliche Sorge und Fürsorge für menschliche Belange außen vor!

Liebe Leserinnen, liebe Leser!
»Die lange vorherrschende Tendenz, Krankheit, Alter und den Tod zu verdrängen, ist auch hier wieder deutlich gemacht worden. Da wird dann zu Weihnachten gespendet für die Armen dieser Welt, nur die Behinderten vor der eigenen Haustür sollten wohl doch besser im Ernstfall auf die grüne Wiese, um den Anblick nicht als tägliche Belästigung ertragen zu müssen…..
Das einzige was sie möchten, ist ein Leben in Würde und Akzeptanz. Die BBG hat schon mit dem in der Tuckermannstraße gebauten Seniorenheim, in dem übrigens nicht nur ältere Bewohner leben, ein wunderbares, innovatives Zuhause für kranke und ältere Menschen geschaffen. Leider gibt es viel zu wenige Häuser dieser Art. Es wäre ein Fortschritt für die Stadt Braunschweig, wenn es mehr Investoren für altersgerechtes Wohnen in Verbindung mit einem Pflegeheim geben würde. Während in anderen Großstädten dieses Problem lange erkannt wurde, hinkt Braunschweig hinterher. Nicht nur Eigentumswohnungen für Reiche sind da gefragt, auch Menschen mit einem geringeren Einkommen haben bei einer schweren Erkrankung oder im Alter das Recht auf einen bezahlbaren Wohnraum.« [3]

Und es ist zwingend notwendig, ernsthaft darüber nachzudenken. Wie schnell kann es passieren, dass Menschen selbst in eine Situation kommen, und auf eine solche Wohnung angewiesen sind.
QUELLEN:
[1] Entschuldigung, dass ich 82 bin; Zu „Vier neue Wohnblocks im Heid­berg“ vom 20. November über die Pläne an der Greifswaldstraße; Von Nicola Trostorff, Braunschweig, Braunschweiger Zeitung vom 23. Dezember 2014
[2] Ich schäme mich für so viel Ignoranz/ Zu „Vier neue Wohnblocks im Heid­berg“ vom 20. November über die Pläne an der Greifswaldstraße
Von Ilona Nowak-Zimmermann, Braunschweig, Braunschweiger Zeitung vom 23. Dezember 2014
[3] Ebenda

Ich bitte alle, denkt mal drüber nach!
Mit menschlichen Grüßen

Kurt Wolfgang Ringel

„Die eigene Haut zum Markte tragen“ (20.10.2014)

»Wolfgang 0. hat im Internet-Auktionshaus eBay seinen Bauch feilgeboten – mit der Offerte, sich darauf Logo oder Werbung eines Unternehmens tätowieren zu lassen. Ab 24 Grad wird ständige Bauchfreiheit garantiert. Was nicht als Kuriosum abgetan werden sollte, sondern ein Bekenntnis zu den Regeln und Gesetzen der Marktwirtschaft ist. Denn, so der 57-Jährige, er habe »sonst nichts, was ich verkaufen könnte. Also verkaufe ich mich selbst. « In toto wird Letzteres wegen des ständig sinkenden Werts der Ware Arbeitskraft allerdings immer schwieriger. Und da der Berliner zudem erwerbsunfähig ist, kommt für ihn ohnehin nur ein stückweiser Verkauf in Frage, um seine karge Rente aufzubessern. Zwar lassen sich Nieren oder Augen (noch) nicht – wie in der »Dritten Welt« – für Bares verhökern. Aber während viele im sozialen Netz bekanntlich faul auf dem Bauch liegen, präsentiert Otto, den seinen für das Mindestgebot von 5000 Euro.

Gelebte Eigenverantwortung, wie sie die Bundesregierung gern sieht. Realisieren konnte Wolfgang 0. den gewünschten Preis beim ersten Mai nicht. Doch er macht weiter. Begleitet vom Wohlwollen der Medien und gewiss auch der Bundeskanzlerin, die dieser Tage erklärte: »Der Sozialstaat hat Bedingungen geschaffen, in denen sich Menschen frei entfalten können. Zur Not bauchfrei. « [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Die eigene Haut zum Markte zu tragen ist oft schlimm. Besonders wenn heute viele so arm  dran sind wie der Rentner Otto. Und das in einer Gesellschaft, indem  der Mensch nichts zählt, sondern  nur  Kapital und Profit.

Es ist echt lebensgefährlich, in einer Gesellschaft zu leben, in der gefeilscht wird, wieviel  Wenigkeit für  Menschen überlebensnotwendig sind. Dabei wird die Grenze möglichst weit nach unten korrigiert, dies erhöht den Profit der schon Überreichen.  Das ist die Menschenklasse, der sich täglich Sorgen macht, wie sie ihr meist  nicht selbst verdientes Geld am besten auf den Kopf hauen kann. Was kümmert solchen Leuten, wie es den Menschen in den sozialen Kasematten der  kapitalistischen  Gesellschaft geht. Nein, es interessiert niemanden, dass diese Menschen, Niedriglöhner, Hartz-IV-ler u.a. Menschen mit Träumen, Plänen, Hoffnungen sind. All dies wird mit den Menschen formatiert und uniformiert – das heißt, so wenig wie möglich für sich selbst beanspruchen zu dürfen. Zum Hohn wird ein Teil dieser Personen  verpflichtet, für einen Euro und weniger zu arbeiten.

Zwischen diesen beiden extremen sozialen Polen befinden sich die  Tendenzler. Das sind die Leute, die versuchen, im Kapitalismus  ihren Schnitt zu machen. Das hängt oft von einem klein bisschen  Glück oder einem großen  Haufen Pech ab. Fällt der Schnitt positiv aus, pendeln sie etwas  in Richtung oben. Schlägt das Pendel aber negativ aus, sinken die Betroffenen tiefer in den Keller.

Diese soziale Mittelschicht handelt vielfach  wie die  Fahrradfahrer: Nach oben buckeln und nach unten treten.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

seine Haut selbst zum Markte tragen heißt ein altes deutsches Sprichwort. Im Klartext heißt dies, wir müssen für unser Tun einstehen. Aber hier trägt Herr Otto seine Haut zum Markte   nicht, um für irgendwelche seiner Taten zu büßen. Nein, er tut es, um sein Überleben zu sichern. Er bietet sein Letztes,  was er noch zu vermarkten hat.  Auf dem Reklamemarkt ist manchmal gut Geld zu verdienen.

Schuld daran ist die kapitalistische Gesellschaft, die dem Menschen fast alles nimmt, was er unbedingt zum Leben braucht. Und viele kapitalistische Politiker, Manager usw. bezeichnen  die Hartz-IV-ler  ungeniert als faul, arbeitsscheu  und asozial. So wird die Realität verschleiert. Die große Masse der Menschen nimmt diesen Unsinn ebenso kritiklos hin wie das  gläubige Volk das Amen in der Kirche. – Was heute geschieht, passt auf keine Kuhhaut, noch ist es einem Menschen zu zumuten. Ich wette, die Snobs finden  diese abnorme Werbungsart von Herrn Otto als einen lustigen Werbegag, ohne überhaupt  den Ernst seines Angebotes zu begreifen.

Manchmal wünschte ich, wir könnten aus der Hautfahren wie es  Schlangen tun.  Sie werfen ihre Haut ab wie ein altes Kleidungsstück. Wollte die Schlange im Paradies nicht schon die ersten Menschen  aufmerksam machen, wie wichtig dies ist.  Solche Häutungen gibt es bei uns Menschen auch. Wir nennen sie Revolutionen. Meist aber bekommen wir diese alten Klamotten nicht vollständig los. Oder diese alten Lumpen werden den Menschen erneut aufgezwungen, wie z. B. 1989ff. – Unsere Hautabwerfen und in eine neue Haut zu schlüpfen, das heißt doch nichts anderes, als neue Verhältnisse schaffen, die uns besser zu Gesichte stehen als der Kapitalismus.

Übrigens zeigt die Verwendung des Symbols der Schlange uns Menschen, wie wichtig ihr Verhalten ist. Nicht umsonst findet sich die Schlange im Äskulap-Stab, dem  Symbol des Gesundheitswesens. Und dies zeigt doch, wie wichtig gesunde soziale Verhältnisse für  die menschliche Gesundheit sind.  Es wird/ist also nur gesund, wer fähig ist, aus seiner Haut zu fahren. Dies gilt für den Menschen ebenso wie für die menschliche Gesellschaft.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mit einem Blick in das „Sprichwörterlexikon“ wollen wir schließen:

„-         Keiner kann aus seiner Haut heraus.

–           Aus fremden Häuten ist gut Riemen schneiden.

–           In seiner Haut lebt es am besten.

–           Wer kein Geld hat, der zahlt mit seiner Haut (Galt einst wörtlich, da die Besitzenden sich von Körperstrafen freikaufen konnten.)

–           Andere Leute haben auch Häute ( Sind auch verletzlich)

–           Fremde Haut lässt sich leicht schinden.

–           Jeder muss seine Haut selbst zu Markte tragen (Für sein Tun muss man einstehen)

–           Jedes Tier wehrt sich seiner Haut.“

QUELLEN:

[1]   Bauchfrei im Sozialstaat, von Ingolf Bossenz , In: Neues Deutschland vom 28. Februar 2007 s

[2] Sprichwortlexikon/ Sprichwörter und sprichwörtliche Ausdrücke aus deutschen Sammlungen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Verlag C. H. Beck München

Lizenzausgabe für die Bundesrepublik Deutschland

VEB Bibliographisches  Institut Leipzig 1984

ISBN-Nr. 3 406 09885 1

Otto = das ist mein frei erfundener Familienname des Rentners Wolfgang O.

Ich wünsche uns allen ein nachdenkliches  Wochenende, und  das wir uns alle in unserer Haut wohlfühlen.

Mit  menschlichen  Grüßen

Kurt Wolfgang Ringel

„Der Weltmädchentag – Kampf um Mädchenrechte“ (11.10.2014)

»10. Oktober 2012 – Zum ersten Mal findet in diesem Jahr der internationale Weltmädchentag statt. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat im Dezember 2011 beschlossen, den 11. Oktober zum „International Day of the Girl Child“ zu ernennen. Der Tag ist ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Mädchenrechte. Er soll darauf aufmerksam machen, dass Mädchen auf der ganzen Welt noch immer jeden Tag Opfer von Diskriminierung und Gewalt werden. Mädchen werden in vielen Bereichen, wie zum Beispiel Bildung und Gesundheit benachteiligt. « [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

um welche Probleme geht es, die mit diesem Gedenktag sichtbar gemacht werden sollen?

»Problem Kinderhochzeit

Der Schwerpunkt des ersten Weltmädchentages liegt auf dem Problem der Kinderhochzeit. Weltweit wurden 23 Millionen Mädchen noch vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet.

Die Folgen dieser frühen, meist erzwungenen Hochzeiten sind verheerend: Viele Mädchen werden Opfer häuslicher Gewalt, viele werden ungewollt sehr früh schwanger, fast alle werden in ihrer Entwicklung, Bildung und Gesundheit erheblich beeinträchtigt. …

Kinderhochzeiten sind eine fundamentale Verletzung der Menschen- und Kinderrechte und müssen beendet werden. « [2]

Aber nicht nur in den sogenannten Entwicklungsländern werden den Mädchen nicht ihre vollen Menschenrechte zugestanden. Auch in unserer ‚Zivilisation‘ werden den Mädchen nicht die vollen Rechte garantiert. Dazu zählen das Recht auf Menschenwürde, auf die Achtung und Wertschätzung, wie es in der menschlichen Gesellschaft üblich sein sollte. Weit verbreitet sind weltweit neben den oben angesprochenen Zwangsehen vor allem Gewalt und sexueller Missbrauch.

Wie sollen sich Menschen in einer Ehe lieben und achten, wenn die Mädchen, die zukünftigen Frauen politisch, kulturell und menschlich degradiert und entwürdigt werden? Es sind schlichtweg Verbrechen gegen Menschen, gegen die Menschlichkeit.

Viel Ähnlichkeit hat, meiner Meinung nach, der Weltmädchentag mit dem Frauentag: Denn, werden die Mädchen nicht von Jugend auf beschützt und geachtet, so werden sie es später als Frauen auch kaum. Alles, was Frauen und Mädchen erleiden müssen und mussten, tragen sie als Probleme ihr gesamtes Leben mit sich herum. Deshalb ist es eine Aufgabe aller Menschen, sich verantwortlich zu fühlen für eine saubere gesellschaftliche Atmosphäre, in der alle Mädchen ohne Opfer von Gewalt zu werden, aufwachsen können. Dazu gehören auch das Recht und die Möglichkeit von Schule, Berufsausbildung und Studium.

Immer wieder erleben wir es, wie aus ernsten Gedenktagen billige und inhaltsleere Spaßveranstaltungen werden. Denken Sie bitte nur an den Gedenktag für Frauen, ihre Kinder nicht mehr für Kriege herzugeben. Entstanden ist dieser Tag nach dem Bürgerkrieg in den USA im 19. Jahrhundert. Verkommen ist dieser Tag, heute als Muttertag bekannt, und völlig seines Inhaltes beraubt. Er ist zu einem Tag des zweitgrößten Konsumumsatzes nach Weihnachten geworden.

Was nutzen den Mädchen also Spaßaktionen, wo Ernst erforderlich ist. Was nutzen z.B. Farb-Lichtshows? Die Mädchen müssen aus den miserablen Verhältnissen herausgerissen werden.

Ich vermisse die politischen, konkreten und wirksamen Maßnahmen. Warum werden nicht die Verursacher der Verbrechen benannt und bestraft. Wesentlichen Anteil haben daran die kapitalistischen Verhältnisse. Daran ändern die auch noch ganze Völker beherrschende Religionen nichts.

Mit der Frauenfrage, der gesellschaftlichen Befreiung der Frau ist auch die Mädchenfrage verknüpft. Sind doch die Mädchen die Frauen in spe. Und es kann keine menschliche Gesellschaft geben, ohne dass Frau und Mann gleichberechtigt sind. Eingeschlossen ist die Mädchenfrage.

Manche Menschen werden sich fragen: Warum noch ein Gedenktag? Haben wir nicht schon jetzt genug davon? Es mag sein, das wir schon viele Feier-und Gedenktage haben. Aber haben wir uns schon einmal gefragt, welche Tage davon notwendig und welche unnütz sind?

Notwendig sind alle Gedenk- und Jahrestage, die ernste Inhalte haben. Es sind all diese periodischen Erinnerungen, die uns mahnen und auffordern, mit unseren Mitmenschen human und friedlich umzugehen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, diese Denkanstöße sind unbedingt notwendig.

Und dazu zähle ich auch den Weltmädchentag

QUELLEN:

[1] Von younicef.de Erster Weltmädchentag.de

[2] Ebenda

Ich wünsche uns allen ein nachdenkliches Wochenende, und besonders in diesem Demokratie-heißem Herbst.

Mit menschlichen Grüßen

Kurt Wolfgang Ringel